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Manifest für ein gutes Fernseherlebnis

13.09.2018 13:49 Comment(s) By lukas.gysling

Fernsehen und langes Grübeln zu «wo wie was?» – das passt einfach nicht zusammen. Fernsehen ist zum Entspannen da. Nicht, dass die Inhalte (nur) völlig belanglose Unterhaltung wären. Entspannung stellt sich auch ein, wenn man auf eine gute Art angeregt und informiert wird. Unser Zugang und unsere Erwartungen haben sich geändert. Die Anwendung der modernen Fernsehtechnologie hat nicht Schritt gehalten.


Vorbild Internet
Das Internet hat uns gelehrt, dass alles oder fast alles gefunden werden kann. Das klassische Fernsehangebot ist einfach zu limitiert im Vergleich zum Internet. Auch die heutigen Lösungen für zeitversetztes Fernsehen kommen nicht nahe an die Archivfunktion heran, die viele Menschen heute wegen des Internets erwarten. Früher wusste man, alles Interessante und Spannende kommt im Fernsehen. Heute kommt es bestimmt irgendwo, aber wo?


Rundfunk-Metapher hat ausgedient
Auch das kommt aus dem Internet: Man sieht sich die Dinge an, wenn man Zeit hat. Nicht unbedingt dann, wenn der Inhalt gesendet wird. Und ja, viele Sendungen sind heute online verfügbar, aber wie lange, scheint für jede Sendung und jeden Sender unterschiedlich zu sein. Früher war es einfacher: Man war bei der Sendung dabei oder hatte es verpasst. Aber das will man heute nicht mehr akzeptieren, weil man weiss, dass es anders gehen könnte.


Fernbedienung ist die bessere App
Ständig in eine neue Applikation zu wechseln, macht keinen Spass. In welcher App ist jetzt dieser Inhalt? Das Starten der App braucht Zeit, manchmal funktioniert sie nicht, man ist nicht sicher, ob es sich überhaupt lohnt. Zudem funktionieren die Apps nicht alle gleich, man muss überlegen, wie die App zu bedienen ist. Früher wusste man, wie oben erwähnt, alles kommt im Fernsehen und unverzögertes Umschalten brauchte nur eine kleine Bewegung mit dem Daumen auf der Fernbedienung.


So ungefähr programmiert
Wenn man sich dann doch selbst behelfen will, also sich die Mühe macht, Sendungen im Voraus auszuwählen und eine Aufnahme zu programmieren, so kommt es auch heute noch oft vor, dass entweder der Beginn der Sendung oder das Ende fehlen. Auch bei vielen zeitversetzten Angeboten sind Sendungen so ungefähr parat gemacht, was Anfang und Ende anbelangt. Ja, wenn die Aufnahme zu früh anfängt, kann man spulen. Das ist nicht nutzerfreundlich. Schlechter als früher ist es nicht, die Ansprüche haben eben zugenommen, denn mit der Präzision, die wir vom Computer her kennen, hat das nichts zu tun.


Spotify vorbildlich
Die Überforderung war absehbar. Etwa in den 1990er-Jahren haben Spezialisten damit begonnen, automatische Filter und Auswahlmechanismen zu entwickeln. Mit dieser «Unterstützung» sollten sich die Nutzer in einer schier unendlich grossen Auswahl an Inhalten zurechtfinden. Für Fernsehen scheint dies bis heute nicht richtig zu funktionieren. Ich habe noch kein System benutzt, das mir Empfehlungen für Sendungen und Inhalte macht, so gut wie es Freunde und Bekannte tun. Es gibt andere Anwendungsfälle, wo es für mich gut funktioniert: Empfehlungen für neue Musik bei Spotify.


Free meals don’t exist
Persönlich schätze ich die Idee der Empfehlungen nicht nur, weil sie mir die Bedienung erleichtern würden, sondern auch, weil ich so Neues entdecken könnte. Ich bin überzeugt, dass ich anders fernsehen würde, wenn ich eine umfassende Auswahl von Inhalten vor mir hätte, die alle auf meine Präferenzen und Interessen abgestimmt wären. Ich wäre aber nur bereit, meine Fernsehgewohnheiten und meine Persönlichkeit offen zu legen, um gute Empfehlungen zu erhalten, wenn ich sicher wäre, dass dieses Wissen nicht für kommerzielle oder andere Zwecke missbraucht wird.


Letzte Meter, nicht letzte Meile
Die Tipps sind vielfältig: «Kauf einen leistungsfähigeren Computer!» «Abonniere ein schnelleres Internet!» «Sag’ deinen Nachbarn, sie sollen ihren Wifi Access Point abschalten, wenn du TV guckst!» Ich will mir doch nur etwas ansehen – ohne Ruckler und Pufferpausen. Warum muss ich darüber so viel verstehen, wie ein guter Verkäufer im Elektronikmarkt? Es gibt schon Angebote, die gewisse Inhalte einigermassen sauber auf dem Bildschirm bringen, also in dieser Hinsicht besser aufgestellt sind. Aber diese decken nur einen Teil aus dem Inhaltsangebot ab, das ich gerne einwandfrei zur Verfügung hätte!


Erfahrung kann man nicht sezieren
Entscheidend ist die End-to-End Experience, wie Fachleute den Umstand bezeichnen, dass die Übertragung und die Darstellung des Bewegtbildes vollständig kontrolliert wird. Ab der Videoquelle (Server) bis zu meinem Bildschirm gibt es ganz viele Daten-Strecken zu überwinden. Heute kontrolliert praktisch niemand mehr alle Strecken. Die Übertragung auf der «letzten Meile» und das Aufrechnen des Bildes zur finalen Übertragung an den Bildschirm per HDMI, wenn diese zwei Strecken durchgehend zuverlässig wären, hätte man schon viel erreicht.


Nur lose zusammenhängend
In vielen Fällen ist diese Kontrolle nicht möglich, weder für den Dienstanbieter, noch für den Kunden. Auf den letzten Metern ist oft eine Funkstrecke (WLAN) im Spiel. Das letzte Stückchen zur Bildschirmdarstellung ist auch von Hardware und Software abhängig, die der Kunde höchstens teilweise selbst bestimmen kann. Die besten Lösungen sind diejenigen, welche das Signal zur optimalen Box ausschliesslich mittels Kabel zuführen. Aber End-to-End ist das noch lange nicht.


Box oder Cloud?
Aus vielen Gründen wäre es natürlich schön, man könnte auf eine Box für die Signalübertragung und die Bildschirmdarstellung verzichten. Falls die Box schnell ist, also schnell startet, schnell umschaltet und überhaupt ein flüssiges Nutzererlebnis zulässt, dann ist eine Lösung mit Box für einen guten Flow, für ein gutes Fernseh-Erlebnis, vorzuziehen.


Let it flow
Fernsehen ist ein Bewegtbildmedium. Statische Momente, also grafische Benutzerschnittstellen und Latenzzeiten, aus welchen Gründen sie auch immer auftreten, sollten vermieden werden. Zum guten Fernseherlebnis gehört das konstant fliessende Bewegtbild.

Im nächsten Blogbeitrag: «Mit diesem Ansatz liessen sich die meisten Probleme lösen».

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